„Das ist auch unser Aschenbrödel“

Der DEFA-Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist in ganz Deutschland Kult. Kathrin Miebach hat ein Buch über das Märchen geschrieben, eine Webseite ins Leben gerufen und organisiert Partys im Aschenbrödel-Stil auf einer Burg im Sauerland. Gerlinde Bauszus sprach mit der Autorin.

Seit wann schwärmen Sie für das Aschenbrödel?

Seit ich den Film zum ersten Mal bewusst gesehen habe. Das muss in den späten 70ern gewesen sein, da war ich etwa sechs. Der Film lief nämlich damals schon im WDR. Manche Aschenbrödel-Fans aus den neuen Bundesländern zeigen sich immer wieder sehr erstaunt, wenn sie hören, dass auch die Kinder „im Westen“ mit dem Film groß geworden sind. Dann sage ich meist: „Das ist nicht nur euer Aschenbrödel, sondern auch unseres!“ Wenn das geklärt ist, müssen wir gemeinsam herzlich darüber lachen.

Haben Sie sich in der Kindheit als Prinzessin verkleidet?

Das hätte ich gern, aber es kam nie dazu. Außerdem hat mich Aschenbrödels Ballkleid enttäuscht, weil es so gerade geschnitten und gar nicht bauschig war. Als Kind hatte ich da andere Vorstellungen, etwa so wie die Sissi-Kleider.

 

Prinzessinnen und auch Aschenbrödel gibt es einige. Was fasziniert Sie an diesem?

Jedenfalls nicht das Prinzessin-Sein, sondern dass sie so selbstbewusst ist, die Zaubernüsse zu nutzen weiß, ihre Träume verfolgt. Sie ist höflich, fleißig, aber nicht duckmäuserisch. Sie übernimmt die Strafe des Küchenjungen, kann besser reiten, schießen, klettern als der Prinz. Und als er sie schon heiraten will, setzt Aschenbrödel zweimal alles aufs Spiel, indem sie nicht nur gefragt werden will, ob sie auch möchte, sondern ihn mit dem ungelösten Rätsel stehen lässt. Hätte ja auch schief gehen können ...

Wer ist Ihre Lieblingsfigur?

Eigentlich sind alle klasse. Der Prinz macht richtig gute Laune, wie er mit seinen Kumpels durch den Wald tollt und vorher seinen Lehrer austrickst. Der aufbrausende König ist ein vom Nachwuchs geplagter Vater, und die Königin passt mit ihrer verschmitzten Ruhe dazu. Die Stiefmutter ist herrlich gemein, ihre Tochter Dora ganz die Mama. Vinzek als Vaterersatz für Aschenbrödel ist liebenswert tapsig und hält fest zu Aschenbrödel.

Konnten Sie einige Darsteller persönlich kennenlernen?

Mit Regisseur Václav Vorlícek habe ich schon mehrfach gesprochen, inzwischen darf ich ihn duzen. Er ist ein ganz toller Mensch, gar nicht abgehoben, sondern sehr nett und mit dem Schalk im Nacken. Rolf Hoppe, der den König spielt, und Pavel Trávnícek, den Prinzen, habe ich auf Schloss Moritzburg getroffen.

Was macht für Sie diese Verfilmung so reizvoll?

Alles: Schnee, Drehorte, Musik, Kostüme (bis auf das Ballkleid) und die vielen kleinen Witze. Ich kenne den Film in und auswendig, er reißt mich immer wieder mit. Selbst wenn ich mir vorgenommen habe, auf bestimmte Details zu achten, kommt es vor, dass ich sie dann doch übersehe, weil ich so mitfiebere.

Stimmt es, dass Sie ein Aschenbrödel-Paradies auf Ihrem Dachboden haben?

Na ja, dort habe ich die Kostüme aufgehängt, die ich für mich und meinen Mann anfertige. Diese tragen wir bei den Aschenbrödel-Partys, die seit 15 Jahren auf Burg Bilstein stattfinden. Dazu kommen Utensilien wie Schuhe, Schmuck, Stoff, Knöpfe.

Wie entstand die Idee zu Ihrem Aschenbrödel-Buch?

Die Fans meiner Webseite kamen auf diese Idee. Sie wollten „etwas Fühlbares“ in der Hand halten. Außerdem gab es die naive Vorstellung, dass man dann mehr Zugang zu Infos und Fotos bekommt. Das mit dem Zugang habe ich nicht versucht, das mit den Bildern war ein Trugschluss.

Haben Sie selbst die Drehorte besucht?

Schon oft! Über die Jahre hinweg erlebte ich, wie beide Schlösser durch die vielen Nachfragen der Fans das Thema Aschenbrödel für sich entdeckt haben. Bei einer der Ausstellungen in Moritzburg hatte ich das Glück, eingeladen zu werden. Ich konnte fast überall im Schloss herumlaufen, war hautnah bei den Exponaten, durfte mithelfen, die Schau aufzubauen. Das waren die schönsten zehn Tage meines Lebens. Und auf der Burg Švihov produzierte der WDR eine Dokumentation. Sie hatten mich und meinen Mann zu den Dreharbeiten eingeladen. So etwas vergisst man nicht.

Ist Ihre ganze Familie im „Aschenbrödel-Fieber“?

Mein vierjähriger Sohn, der übrigens nicht Pavel heißt, findet zurzeit Dinos besser, hat sich aber überreden lassen, als Ritter mit zur nächsten Aschenbrödel-Party zu kommen. Und er war schon als Baby mit in Moritzburg. Mein Mann hat mit mir all die Jahre dieses Hobby verfolgt, das Layout für die Webseite gebaut, mich in die Barrandover Filmstudios geschleift, unsere Aschenbrödel-Partys organisiert. Zu unserer Verlobung sagte er zu mir: „Wenn du mich willst ...“ Hach!

Sollten Sie beim Spaziergang zufällig drei Haselnüsse finden, heben Sie diese auf?

Ist etwas anderes denkbar? Sollte ich wirklich mal drei Zaubernüsse finden, dann wäre eine davon auf jeden Fall für den Weltfrieden.

Wird es auch im kommenden Jahr einen Ball geben?

Klar! Da ist kein Ende in Sicht. Und wenn wir irgendwann einmal zu wackelig werden, kommen wir mit Rollator.

 

Hier findest du die Website von Kathrin Miebach und ihre Facebook-Seite für Aschenbrödel-Fans

Autorin: Gerline Bauszus
Fotos: privat, WDR, HR/DEGETO

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