Drei Haselnüsse für Aschenbrödel aus der Sicht des Tanzschuhs

Alle Jahre wieder lassen sich Groß und Klein in der Weihnachtszeit von Aschenbrödel, den drei Haselnüssen und dem berühmtesten Tanzschuh der Märchengeschichte verzaubern. Höchste Zeit, dass wir IHN auch mal zu Wort kommen lassen: Aschenbrödels Schuh schildert exklusiv für www.das-aschenbroedel-buch.de seine Erlebnisse rund um den königlichen Ball.

 

Geschichten erzählen gehört zwar nicht zu meinen Begabungen. Glaub mir, das können meine Freunde, die Gebrüder Grimm, tausend Mal besser als ich. Dennoch möchte ich dir meine Eindrücke von Aschenbrödels rauschender Ballnacht nicht länger vorenthalten. Immerhin war ich an ihrem romantischen Rendezvous mit dem Prinzen ja nicht ganz unbeteiligt. Einige aus der Königsfamilie behaupten sogar, dass es ohne mich nicht zum Happy End mit Traum-Trauung im Märchenschloss gekommen wäre. Was ich natürlich für übertrieben halte! Schließlich bin ich nur ein Schuh. Kein gewöhnlicher Laufschuh, sondern Aschenbrödels Tanzschuh.

Meine Qualitäten liegen im Tanzen, im Federleicht-über-das-Parkett-schweben. Feierliche Auftritte auf königlichen Bällen oder märchenhaften Hochzeiten sind genau mein Ding. Vom höfischen Menuett bis zum klassischen Ballett beherrsche ich all die schönen Künste. Glaub mir, keiner schwingt seine Tanzsohle besser als ich. Du fragst dich, woher ich das kann? Ob ich ein Naturtalent bin oder Klassenbester auf der höfischen Ballettschule war? So genau weiß ich das selber nicht. Jeder Schuh hat Stärken und Schwächen. Ich bin zum Beispiel kein Freund des Treppensteigens. Egal, ob hoch oder runter - für diese Plackerei ist mein Absatz nicht geschaffen. 

 

Beinahe wäre das unserem Aschenbrödel zum Verhängnis geworden, als sie das Fest seinerzeit fluchtartig verließ. Bestimmt erinnerst du dich an mein Missgeschick auf der verschneiten Steintreppe, als ich mich verstolperte und vom zierlichem Fuß meiner Trägerin abrutschte. Mann, war das vielleicht eine peinliche Nummer! Nicht nur, dass Aschenbrödel und ich auf schicksalhafte Weise voneinander getrennt wurden. Der Verlust hatte weitreichende Folgen für das ganze Königreich. Aber der Reihe nach.

 

Mein Abenteuer begann spät am Abend, nachdem Aschenbrödel ihre zweite Zaubernuss vom Zweig gebrochen hatte. Plötzlich war ich auf der Welt und hatte nur eins im Sinn: Aus meinem Aschenbrödel eine Primaballerina zu machen, damit sie mit ihrem Bilderbuchprinzen - so wie einst Ginger Rogers und Fred Astaire in den Schwarzweißfilmen - all die Adelskonkurrenz in Grund und Boden tanzen würden. Zumindest war das mein Anspruch als magischer wie auch ästhetischer Tanzschuh. Bedauerlicher Weise standen wir da noch auf dem Bauernhof...

 

An der Stelle muss ich Tacheles reden, weil das in dem Märchen nie beschrieben wird. Bauernhöfe - und besonders der von der bösen Stiefmutter - waren im Mittelalter eine dreckige und stinkende Angelegenheit. Allein die wenigen Schritte bis zu Pferd Nikolaus bereiteten mir Sorgen. Doch wie durch Magie blieben sowohl wir Schuhe als auch das Ballkleid sauber. Und so ritten wir gemeinsam durch die Winternacht. 

 

Endlich standen wir vor dem Märchenschloss. Drinnen ging der Ball in die vierte Runde. Gebannt blickte Aschenbrödel durchs Fenster, doch was sie sah, schien ihr nicht zu gefallen. Da ich nichts sehen konnte, flehte ich sie an: “Lass uns reingehen. Lass uns einen Tanz mit dem Prinzen wagen." Doch Aschenbrödel zögerte, wollte sogar umkehren. Nachdem wir die Treppenstufen schon wieder hinab gestiegen sind, konnte Schimmel Nikolaus Aschenbrödel überzeugen, doch wieder hinauf zu gehen. Wir gingen ganz langsam den Gang entlang und die Bediensteten machten große Augen. Die Tür zum Ballsaal wurde ihr geöffnet und der Prinz stürmte ihr entgegen. "Mein Baby gehört zu dir!", flüsterte ich ihm zu und summte voller Vorfreude "The Time of My Live", die Titelmelodie des Films "Dirty Dancing".

 

Amors Pfeil hatte den Prinzen getroffen. Mitten ins Herz und ohne faulen Zauber. Wie toll der Königssohn tanzen konnte. Wow! Eine echte Granate auf dem Parkett. Ob das an seinen hübschen schwarzen Lackschuhen lag, fragte ich mich und zwinkerte dem rechten Schuh zu. Was der erwiderte. Bevor wir uns versahen, flirteten wir und tanzten umso virtuoser.

 

Keine Frage, Aschenbrödel und der Prinz rockten die Ballnacht. Ihre Bewegungen waren federleicht, als hätten beide in ihrem Leben nie etwas anderes getan. Plötzlich sprach meine Trägerin in Rätseln. Weder der Prinz, noch sein rechter Lackschuh oder ich kannten des Rätsels Lösung. So genau hatten wir Schuhe aber auch nicht hingehört, da wir gerade am Rumfüsseln waren. 

 

Mit einem Mal verließ Aschenbrödel mit mir schnellen Schrittes den Ballsaal und rannte aus dem Schloss hinaus. Im hohen Tempo ging es die Treppe herunter, als mir mein Malheur passierte. Wir stolperten - und ich blieb auf der kalten Steintreppe liegen. "Oh nein, jetzt bin ich verloren", schoss es mir durch den Kopf. Sie drehte sich kurz um, musste aber los, denn der Prinz folgte ihr. Ich schaute dem Aschenbrödel noch nach und sah, wie sie auf Pferd Nikolaus in der Nacht verschwand. Dann muss ich ohnmächtig geworden sein.

 

Das nächste, an was ich mich erinnerte, war ein wilder Ritt auf dem Prinzenpferd. Der verliebte Junge suchte sein Aschenbrödel und gab die Devise aus: "Wem dieser Schuh passt, wird meine Frau." "Bingo!", dachte ich mir. Die Schmach, die dann folgte, möchte ich hier nicht wiedergeben. Wirklich jedes weibliche Wesen weit und breit versuchte, mich anzuprobieren. Grauenvoll. Dabei hatte ich noch Glück gehabt: Denn anders als bei Aschenputtel von den Gebrüdern Grimm, hatte ich am Ende kein Blut im Schuh. Die böse Stiefmutter entführte mich noch und verschwand mit dem Schlitten vom Hof. Zum Glück folgte der Prinz ihr und rettete mich aus den Händen der falschen Schlange, als sie mir ihrem Schlitten ins eiskalte Wasser einbrach. Zurück am Hof, kam Aschenbrödel in dem wunderschönsten Brautkleid, das du dir vorstellen kannst, auf Nikolaus angeritten. Ich war zurück! Am Fuß der richtigen Braut. Der Prinz hatte seine Prinzessin gefunden, löste endlich das Rätsel und ich passte wie angegossen. Sie ritten durch die zauberhafte Schneelandschaft in Glück. Ich hatte bald weitere Dates mit dem hübschen, schwarzen Herrenschuh und ... das ist eine andere Geschichte. ;) 

 

Dein persönliches Happy End mit deinem Aschenbrödel-Schuh kannst du hier erleben: 

 

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