Für immer Aschenbrödel

Sie ist taff, unerhört kess, reitet, klettert auf Bäume, trifft zielgenau mit der Armbrust und stiehlt dem Prinzen glatt die Schau. Nur einmal erlaubt sich das rätselhafte Mädchen einen kleinen Stolperer. Ausgerechnet der führt sie überraschend ins Glück. In Moritzburg erfährt man mehr.

Dort, wo einst August der Starke residierte und einige Märchenjahrhunderte später die Haselnuss-Prinzessin ihren silbernen Schuh verlor, werden in diesem Winter neue Geheimnisse um die wohl schönste Liebesgeschichte im ganzen Märchenreich gelüftet: Schloss Moritzburg nahe Dresden hat sich einmal mehr in eine prächtige Kulisse verwandelt. Mit weit geöffneten Türen lädt es alle Aschenbrödel-Freunde ein, auf den Spuren der frechen Märchenprinzessin zu wandeln und bei einer Entdeckungstour durch dieses historische Gemäuer das Mysterium der drei Zaubernüsse zu lösen.

„Manch unterhaltsame Anekdote rund um den Film, der weltweit zahlreiche Preise abräumte und in Tschechien sogar zum besten Märchenfilm des Jahrhunderts gekürt wurde, werden hier am authentischen Drehort gelüftet“, macht Uli Kretzschmar von der Staatlichen Schlösserverwaltung auf die Ausstellung neugierig. Dazu gehöre die Geschichte vom Prinzen Pavel Trávnícek, der vor Drehbeginn noch schnell Reitunterricht nehmen musste. Oder dass Aschenbrödel im Originaltitel Popelka heißt. Verraten wird außerdem, ob es zwischen den Hauptdarstellern auch im wahren Leben „gefunkt“ hat und warum es das Filmpferd Nikolaus gleich doppelt gab – deutsch und tschechisch. Unglaublich, aber leider wahr, ist auch die Geschichte vom geklauten Ballkleid und dem Liebespaar, das nach einer Großfahndung das Kleid per Post reumütig zurückschickte.

Nach der großen Umgestaltung der Schau im Vorjahr können sich die Besucher auch in dieser Saison auf kleine, feine Neuheiten freuen, merkt Kretzschmar weiter an. So wurden der Steinsaal noch märchenhafter dekoriert und Figurinen für das Königspaar angeschafft. „Im Ballsaal befindet sich eine Kostüm-Ecke, wo sich Märchenfreunde einkleiden und in Filmrollen schlüpfen können.“ Das Schönste aber sei, dass die Aschenbrödel-Ausstellung jeden Winter wiederkehren wird: nächstes Jahr, übernächstes – für immer.

Uralt ist die Geschichte, mehr als tausendfach erzählt und doch hat sie nichts von ihrer Faszination auf Generationen von Zuschauern verloren. Ein Blick hinter die Filmkulissen verrät, was den Charme des Märchens „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ausmacht. Ein Grund ist die Musik von Biene Maja-Komponist Karel Svoboda. Eingängig und nahezu liebevoll führt sie den Zuschauer von Szene zu Szene bis zum fulminanten Finale.

 

Unverzichtbar für eine romantische Geschichte zur Weihnachtszeit sind auch die traumhaften Drehorte: böhmische Schneelandschaften und eine malerische Moritzburger Schlosskulisse. Dabei war das Winter- Märchen ursprünglich als Frühlings-Märchen gedacht. Aschenbrödel sollte über blühende Wiesen, nicht über verschneite Felder reiten. Andere Projekte der Babelsberger Studios durchkreuzten jedoch die Terminkalender der Produzenten und so kam es, dass Filmregisseur Václav Vorlícek verkündete: „Meine Herren, ich möchte den Film komplett im Winter drehen.“ Gesagt, getan: Das Drehbuch wurde von Blumenwiese auf Schneelandschaft umgeschrieben. Damals ahnte sicher kaum einer, dass mit dieser Entscheidung ein wichtiger Baustein gelegt wurde für den Erfolg des tschechisch-deutschen Kultfilms, der übrigens nicht auf der Grimmschen Fassung, sondern auf einem Märchen von Božena Nemcová beruht. Und so „schmelzen“ bis heute die Aschenbrödel-Fans vor der Flimmerkiste dahin, wenn Prinz und Prinzessin in der Abschluss-Szene unter den Klängen von Svobodas Musik durch den Schnee ins schier endlose Glück reiten.

Am Faszinierendsten ist wohl die Schauspielerin Libuše Šafránková in der Rolle eines erfrischend anderen Aschenbrödels. Nicht nur, dass dieses pfiffige Mädchen dem Prinzen ein scheinbar unlösbares Rätsel aufträgt. Weil er die Antwort nicht weiß, gibt sie ihm obendrein noch einen Korb. Wie unerhört! Damit am Ende aus der dritten Haselnuss das alles entscheidende Kleid mit Schleppe purzeln, Aschenbrödel Hochzeit feiern und die Liebe endlich siegen kann, muss sich der Prinz mächtig ins Zeug legen.

Ein Blick in die Zauberkugel verrät, dass er es irgendwie geschafft haben muss, dieses Märchenrätsel zu lösen. Denn die Moritzburger Schlosstreppe, auf der vor über 40 Jahren Aschenbrödel ihren Schuh verlor, ist heute längst ein beliebter Ort für Heiratsanträge ...

Autorin: Gerlinde Bauszus
Foto: WDR; OLEKSANDR MOROZ - FOTOLIA.COM

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