Haselnuss-Prinzessin tanzt wieder

Wie außergewöhnlich – ein Mann „outet“ sich als Aschenbrödel-Verehrer. Darf ich fragen: Waren Sie immer schon in das Aschenbrödel verliebt oder gehörten Sie dereinst zu jenen Herren, die bei der Ankündigung des Films die Flucht ergriffen?

Nein, nein. Bei mir war das immer schon anders. Ich kenne jede Sekunde des Films und freue mich jedes Mal aufs Neue, ihn zu sehen. Zudem habe ich das wunderbare Gefühl, dass die Fangemeinde stetig wächst und es jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr immer mehr Sendetermine gibt.

Produzent Uwe Müller

14 Mal flimmert der Film in der heimeligen Zeit über die Mattscheibe. Es soll ja wirklich Aschelbrödel- Fans geben, die sich keinen einzigen Sendetermin entgehen lassen. Wie oft haben Sie den Film gesehen?

Was das private Schauen betrifft, habe ich aufgehört zu zählen. Denn ich war noch ein kleiner Junge, als ich den Film das erste Mal sah. Diese Begeisterung hat nie nachgelassen. Was die Regiearbeit angeht, waren es wohl weit über hundertmal. Der Blickwinkel ist ein anderer, wenn man den Film auf die Bühne bringen will. Bei den einzelnen Sequenzen hat man sofort ein Bühnenbild im Kopf.

Mit Ihrem Aschenbrödel- Musical betreten Sie persönlich Neuland. Wie entstand die Idee?

Zum einen bin ich Musiker, Komponist, Sänger. Zum anderen ein echter Freund dieses Films. Von daher ruhte das Gespür, etwas aus diesem Stoff zu machen, schon immer in mir. Denn ich liebe dies alles: die winterliche Atmosphäre und zauberhafte Musik von Karel Svoboda – all das Märchenhafte.
Der konkrete Gedanke mit dem Musical kam mir dann vor etwa zehn Jahren. Der Drang, es wirklich zu tun, wurde mit jedem Jahr intensiver. Doch ich zögerte. Bis meine Frau zu mir sagte: Du musst das jetzt tun. Rede nicht immer nur darüber. Fang an. Da habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt, die ersten Skizzen gemacht, Szenen geschrieben, das Team zusammengestellt.
Jetzt sind wir fast auf der Zielgeraden und ich danke Gott dafür, dass ich so viele tolle Freunde habe, die mich bei der Erfüllung meines Traums unterstützt haben.

Wie groß war die Herausforderung, das Ensemble auszuwählen? Ich kann mir vorstellen, dass – wer den Film so oft gesehen hat – sehr konkrete Bilder im Kopf hat, von denen man sich schwer lösen kann …

Ja, das stimmt. Und ich glaube schon, dass es wirklich sehr schwer und fast unmöglich wäre. Doch zum Glück bin ich von vielen wunderbaren Menschen umgeben. Mit den meisten von ihnen arbeite ich seit Jahrzehnten zusammen. Da kennt man sich – mit allen Besonderheiten, Stärken, Eigenarten. Ich wusste immer, wenn ich dieses Musical auf die Bühne bringe, dann ist Carolin Meyer mein Aschenbrödel, Alwin Barg mein Prinz und genauso all die anderen. Irgendwie war das Team schon immer da. Und jetzt, wo wir so konzentriert zusammen arbeiten, wird mir immer klarer; diese Truppe ist in der Tat ein ganz großes Glück. Denn eine Besetzung von diesem Format hätte man so gar nicht casten können.

Darstellerin Carolin Mayer in Uwe Müllers Musical „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Die 28-Jährige erinnert sich noch genau, wie alles anfing: „Im vergangenen Sommer bekam ich von Uwe eine E-mail. Darin stand: ,Es ist soweit. Du musst mein Aschenbrödel sein, ansonsten kann ich das Musical nicht machen.‘ Was sollte ich anderes sagen als ,Ja‘?“, freut sich die Kölnerin.

 

Haben alle Schauspieler gleich „ja“ zu ihren jeweiligen Rollen gesagt?

Ja, alle. Sofort. Und bei jedem habe ich dieses wunderbare Glitzern in den Augen gesehen. Gleich darauf kam jedes Mal die Frage: Wann geht es los? Wann beginnen die Proben? Die Ungeduld war regelrecht fühlbar. Das zu spüren, diese Vorfreude und Begeisterung, ist natürlich auch für mich eine große Motivation. Während all der Zeit habe ich viel Rückenstärkung von meinen Kollegen bekommen. Was wir hier auf die Bühne bringen, ist für uns keine kommerzielle Geschichte, sondern gleicht mehr einem Familienbetrieb. Alle sind voller Herzblut dabei.

Wie schwer ist es, die großen Erwartungen der Fans zu erfüllen, und sich davon nicht allzu sehr beeindrucken zu lassen?

Oh, ich freue mich darauf: Auf alle Erwartungen und alle Emotionen. Sie sollen, ja sie müssen mitgebracht werden. Natürlich können wir den Film nicht eins zu eins übernehmen. Hier und da mussten wir Szenen verschieben, damit wir das Bühnenbild hinbekommen. Dennoch wird das Publikum überrascht sein, wie nah wir am Film sind. Ich habe großen Wert darauf gelegt, keine abstrakte Geschichte zu erzählen. Das war nicht mein Ansatz. Ich wollte hier nicht meine Kreativität ausleben, sondern so nah wie möglich am Original bleiben.

Schließt das die Musik ein?

Ja, natürlich. Die ganz besonders. Vier Jahre habe ich mich darum bemüht, die Rechte für diese vier Aufführungen zu bekommen. Nur um die Originalmusik auf die Bühne zu bringen, habe ich lange recherchiert, viel verhandelt. Das war eine regelrechte Odyssee, ein riesiger Kraftakt. Aber eins stand für mich fest: Ohne die Originalmusik hätte ich das Musical nie aufgeführt. Denn die Musik ist die Seele dieses Films.

Dazu kommen auch viele Lieder von Ihnen.

20 Titel habe ich für das Musical geschrieben und ich hoffe sehr, dass das Publikum die Musik ebenso lieben wird wie unser Ensemble. Wir versuchen, das Stück sehr abwechslungsreich auf die Bühne zu bringen. Alles wird dabei sein – Traurigkeit und Fröhlichkeit, Natürlichkeit und Beschwingtheit …

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Dass wir den Spagat zwischen Film und Bühne schaffen. Dass „unser Aschenbrödel“ den Leuten gefällt, und sie am Ende sagen: Es war schön. Wir möchten dieses Musical öfter sehen.

Wäre das denn möglich?

Die Verhandlungen mit dem Theaterverlag Felix Bloch und Erben laufen noch, gestalten sich jedoch etwas zäh. Ich hoffe aber sehr, dass es weitere Aufführungen geben wird. Das wäre dann im nächsten Winter.

von Gerlinde Bauzus
Fotos: WWW.ASCHENBROEDEL-DASMUSICAL.DE/ANDREAS SIEVEKING

 

Bitte gib die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.