Körbe voller Fanpost für einen charmanten Prinzen

Der Märchenprinz aus dem berühmten DEFA-Film ist jetzt 66 Jahre alt. Doch Pavel Trávníček hat seinen jugendlichen Charme immer noch. Im Gespräch mit Sophia Brandt und Tobias Holtz verriet der Tscheche, warum er „Aschenbrödel“ nicht mehr im Fernsehen anschaut.

Sie haben mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ Filmgeschichte geschrieben. Hätten Sie damals schon gedacht, dass ein Märchenfilm so erfolgreich sein würde?

Nein, beim Dreh habe ich noch nicht daran gedacht. Ich war junger Schauspieler – heute würde man „Newcomer“ sagen – und begeistert, dass ich mit berühmten deutschen und tschechischen Schauspielkollegen arbeiten durfte.

Was hat Sie an der Rolle am meisten gereizt?

Dass ich auf einem Pferd reiten durfte! Ich konnte es zwar anfangs nur ein bisschen, habe dann aber Unterricht genommen. Diese große Liebe zu Pferden und zum Reiten ist bis heute erhalten geblieben und eigentlich erst durch den Film entstanden.

Es soll aber für einige Szenen ein Reitdouble eingesetzt worden sein...

Der Regisseur hatte einfach Angst, dass Libuše Safrankova, die ja das Aschenbrödel spielte, und mir in einigen nicht ungefährlichen Reitszenen etwas passiert und wir den Film nicht zu Ende drehen können.

Sehen Sie sich den Film auch selbst zu Weihnachten im Fernsehen an?

Eigentlich nicht. Ich habe dann ehrlich gesagt ein komisches Gefühl, wenn ich mich nach 45 Jahren im Spiegel sehe. (lacht) Es ist aber schön, sich an diese Zeit zu erinnern.

 

Hätten Sie gedacht, dass Sie der Schwarm vieler junger Mädchen werden?

(lacht) Nein, auf keinen Fall.

Ach kommen Sie. Sie bekommen doch bestimmt immer noch Liebesbriefe?

Damals bekam ich körbeweise Fanpost, auch aus exotischen Ländern wie Südamerika. Dazu muss man sagen, dass die Medienmacht damals nicht so war, wie sie heute ist. Alles lief über Empfehlungen, also dass die Leute sich den Film im Kino angeschaut haben. Es gab nicht das, was man heute Promotion nennt. Heute kann ich aus einem Jungen von der Straße einen Star machen. Das wäre damals nicht so einfach möglich gewesen.

In dem Film waren Sie ein begeisterter Jäger. Haben Sie schon einmal privat gejagt?

Ich war mal mit einem Regisseur auf Entenjagd. Das Ganze war eigentlich schnell wieder vorbei. (lacht) Die Enten flogen vom Teich hoch, es wurde geschossen, keine Ente wurde getroffen. Damit war die Enttäuschung groß und die Jagd vorbei.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Dreharbeiten?

Ich erinnere mich sehr gerne an das zweisprachige Ensemble. Wir haben am Set immer tschechisch gesprochen. Es gab dort eine sehr lustige Situation mit der deutschen Schauspielerin Carola Braunbock, die die Stiefmutter verkörperte. Ich dachte natürlich, dass sie kein Tschechisch sprechen kann. Sie hat mich eine Woche im Glauben gelassen, kein Wort von dem, was ich sage, zu verstehen. Dann sagte sie mir, dass sie in Karlsbad zur Schule gegangen ist und sehr wohl alles verstanden hat.

Es gab also keine Verständigungsprobleme zwischen den Darstellern?

Es entstand im Laufe der Zeit eine Art Sprachmix. Wir haben uns auch mit Händen und Füßen verständigt. Ich erinnere mich sehr gerne an den deutschen Defa-Schauspieler Rolf Hoppe, der mir einmal auf die Frage, ob er denn Tschechisch spreche, antwortete, er habe nur ein einziges Wort gelernt: „Pivo.“ Das bedeutet Bier. Dieses Wort würde ihm für den Aufenthalt in Tschechien völlig ausreichen.

Hatten Sie sich auch im echten Leben in die Prinzessin verliebt?

(lacht) Ja schon, also es gab Funken. Libuše Šafránková war im privaten Leben sehr zart und feinfühlig und sozusagen der Liebling vom ganzen Filmteam.

 

Was halten Sie von Ihrer deutschen Synchronstimme?

Ich glaube, dass die deutsche Fassung schon gut ist, wobei es für mich schon sehr schwierig ist. Es gibt drei Fassungen, die ich mir angesehen habe: Russisch, Französisch und Deutsch. Unterschiedlicher kann das überhaupt nicht sein. Es klingt in diesen drei Sprachen immer komplett anders.

In der neuen Live-Show werden Sie in der Rolle des Königs auch Deutsch sprechen müssen. Haben Sie schon angefangen zu üben?

Ein bisschen. Ich habe mir aber auch schon in der Schule und während der Dreharbeiten etwas Deutsch angeeignet.

Können Sie mit diesem Rollenwechsel vom damaligen Prinzen zum heutigen König umgehen?

Es war für mich im ersten Moment überraschend die Rolle des alten Königs zu übernehmen, aber die Zeit geht dahin. (lacht) So ist das Leben.

Wie gehen Sie mit Ihrem bis heute anhaltenden Erfolg um?

Vor allem muss man mit dem Erfolg sehr intelligent umgehen. Und man muss damit rechnen, dass die Zeit leider schneller ist als alle Illusionen und immer gewinnt.

Autoren: Sophia Brandt und Tobias Holtz
Foto: S. Kahnert

Bitte gib die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.